Damaschkering 14, Bunzlau

Damaschkering 14, Bunzlau – das klingt auf den ersten Blick einfach nur wie eine Adresse. Eine Adresse wie jede andere.

„Gut“, mag der ein oder andere sagen, „Bunzlau ist in Schlesien.“ Und Schlesien ist seit den Gräultaten der russischen Vertreibung in polnischer Hand. Und gerade hier liegt das Detail.

Damaschkering 14, Bunzlau – das ist Heimat. Heimat der Familie Ortwald. Unversehrte Heimat bis 1945.

Die Familie Ortwald vor ihrem Haus in der Damaschkestraße 14 in Bunzlau, Niederschlesien.

Die Familie Ortwald vor ihrem Haus in der Damaschkestraße 14 in Bunzlau, Niederschlesien.

Die erste Hiobsbotschaft kam schon im Jahr 1943. Kurz vor Weihnachten, so erzählt man sich. Die beiden Söhne der Familie – Heinrich und Ernst – sind an der Ostrfront gefallen.

 

Die Flucht

Gut ein Jahr später die nächste Nachricht: Man muss schnell fliehen – die Rußen kommen.
Der Vater Robert beschließt, zusammen mit weiteren Männern aus der Straße zurückzubleiben und die Häuser gegen die Rote Armee zu verteidigen.
Er schickt die Mutter Ernestine mit den beiden Töchtern Helene und Johanna auf die Reise ins Ungewisse. Von Bunzlau geht es über Dresden – gerade am Nachmittag der Bombennach 15. Febraur war man in Dresden und verließ die Stadt mit dem letzten ausfahrenden Zug, der diese ob der ersten einschlagenden Bomben gar nicht mehr hätte verlassen dürfen, bevor sie von den Briten in Schutt und Asche gelegt und Zehntausende hilfloser Flüchtlinge ums Leben gebracht wurde – ins Vogtland, genauer nach Schnaittenbach.

Dort verweilt man zunächst – immer in der Hoffnung, bald wieder in die Heimat zurück zu kommen.
Doch drei Jahre später – die Mutter Ernestine ist mittlerweile verstorben – geht die Flucht von neuem los. Der Krieg ist (vordergründig) vorbei. Die „Siegermächte“ verfestigen den Status quo, indem die „Westmächte“ die BRD, Rußland die DDR, gründen. Der Weg führt in die vermeintlich freiere BRD – zu Fuß!
Dort strandet man in Bayern, von wo aus man nach Tübigen verfrachtet wird. Es nach einiger Zeit wird es genehmigt, zur Verwandschaft nach Erlangen zu ziehen.

Zwischenzeitlich erfuhr man, daß der Vater Paul den Kampf gegen die Rußen verloren hatte. Ein Nachbar aus Bunzlau bestätigte später vor dem Amtsgericht Erlangen, daß Paul Ortwald vor seinem Haus erschossen und im Garten begraben wurde.

 

Heimatbesuch in den 80ern

Mitte der 1980er Jahre – die Trennung Deutschlands war noch in vollem Gange – war eine Gesandschaft Bunzlauer in der alten Heimat. Ich konnte davon ein paar Fotos sichern.

Meine Reisen nach Schlesien

Zwischenzeitlich habe auch ich es zweimal nach Schlesien geschafft. Erstmals 2005 mit eine studentischen Reisegruppe. Durch Bunzlau sind wir leider nur durchgefahren. Das zweite mal 2007. Ich hatte einige Stunden Zeit zum Verweilen in der Stadt. Diese nutzte ich zum einen für einen Bummel über den Marktplatz, auf dem gerade ein Flohmarkt stattfand. Zum anderen machte ich mich auf die Suche nach dem Damaschkering. Und tatsächlich: ich habe ihn fast auf Anhieb gefunden. Die immer wieder wiederholte Wegbeschreibung meiner Oma und vor allem ihrer Schwester hatte Früchte getragen. „Durchs Viadukt und dann Links“
Freilich sieht es ein bisschen anders aus. Es gib nebenan einen Netto-Markt. Aber das Haus ist immernoch blau gestrichen. Und die Einschusslöcher an der Fasade sind auch noch zu sehen – nicht mal das haben die Polen geschafft, auszubessern!

Wenn es die Zeit erlaubt, werde im Herbst diesen Jahres wieder eine Reise in die „alte Heimat“ unternehmen.

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