Anekdoten vom Standesamt

Ende April 2014 war es auch bei mir soweit – die standesamtliche Trauung stand an.

Im Vorfeld gab es die übliche Bürokratie – den „Papierkrieg“ – Geburtsurkunde, Meldebescheinigung, Ausweis und so weiter. Und dann wurde es noch verwaltungstechnischer: die „Anmeldung der Eheschließung“. „Das ist das, was früher das Aufgebot war“, erklärte mir die Standesbeamtin. Also gut. Termin ausgemacht. Papiere zusammengekramt.

Dann ging es zum Termin zur Amldung der Eheschließung. So weit so unspannend. Zum Beginn viel Verwaltungs-BlaBla. Eine erste Aufmunderung: die Erklärung zur Geschäftsfähigkeit… Ich solle erklären, daß ich geschäftsfähig bin? Ein schmunzeln konnte ich mir grade noch unterdrücken. Wäre ich nicht geschäftsfähig, könnte ich diese Erklärung tausenmal abgeben und sie würde trotzdem nicht wirksam. Egal – nächster Schritt. Die Auswahl des Familienstammbuches stand an. Das überlies ich meiner zukünftigen. Desing ist eben Frauensache ;).

Danach eine lockere Runde Ablaufbesprechung der Trauung. Und dann kam das Zitat, das noch heute runtergeht wie Öl. „Bei so berühmten Persönlichkeiten wie Ihnen zahlt die Gemeindeverwaltung einen kleinen Sektempfang.“ Berühmter Persönlichkeit? Ich? ICH? Wow!
Na gut, Sektempfang ist immer gut. Wir haben uns schon mal im Vorfeld bedankt.

Dann kam der Tag der Trauung. Eigentlich war nichts außergeöhnliches dabei. Der Bürgermeister ergriff seine Chance und las einen vierseitigen Vordruck vor. Muss wohl so sein.
Nach der Trauung Glückwünsche – Küsschen hier, Umarmung da – Sektempfang.

Abends räumte meine Frau noch das Auto aus. Darunter auch die leeren Flaschen des Sektempfangs. Dann fragte sie mich ganz unbedarft: „Kennst du den Sekt? Blummazupfa-Tröpfchen. Noch nie gehört!“

Blumazupfer Sekt aus Weisendorf

Blumazupfer Sekt aus Weisendorf

Bei mir gingen sofort alle Alarmglocken an. Blumazupfer? Weisendorf? Bitte was?! Offizielle ausgeschenkt von der Gemeinde Großenseebach?! Ich schnappte mir sofort die Flasche und tatsächlich: weisendorfer Sekt!

In Großenseebach gibt es Sekt aus Weisendorf

In Großenseebach gibt es Sekt aus Weisendorf

An alle, die nicht aus den besagte Orten kommen sei erwähnt, daß sich diese beiden Orte von Grund auf nicht leiden können. Besonders stark tritt dieses Phänomen alljährlich an der „Kerwa“ zum Vorschein. Da wird sich gegenseitig geneckt und aufs Korn genommen. Bisweilen geht es auch ruppiger zu. Aber wir alle wissen ja: „Ist das Tanzen dann vorbei, gibt es meistens Keilerei, und den Bursch, den das nicht freut, sagt man nach, er hat kein‘ Schneid!“

Das aber die Gemeinde Großenseebach bei halboffiziellen Anlässen Sekt aus Weisendorf ausschenkt ist schon gewagt.

Aber im Grund bleibt bei dem Gedanken an den Sekt ein Schmunseln – und eine Geschichte, die man sich Jahre später noch erzählen wird.

 

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